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Prima la Musica – Ein Wettstreit wird zur Durchschnittsschmiede

Wie die Kleine Zeitung am 3. März 2016 berichtete, „startete meine Karriere“ beim österreichischen Jugendmusikwettbewerb Prima la Musica. Ich bin somit ein „Beispiel für Erfolgsstorys“ – wie man es auch ausdrücken möchte: Prima la Musica war ein wesentlicher Bestandteil meines Berufsfindungsprozesses und ich hielt diesen Wettbewerb schon immer für eine großartige Einrichtung. Jedoch droht auch diese der pädagogischen Modernisierung zum Opfer zu fallen. Aber lassen Sie mich von vorne beginnen:

 

Man kann von Wettbewerben halten, was man möchte, aber sie bieten wichtige Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten. Speziell in den frühen Anfangsjahren einer musikalischen Karriere können Wettbewerbe die persönliche Zielsetzung fördern, außerdem trainiert man, Leistung auf den Punkt zu bringen und bekommt einen Einblick in die Konkurrenzsituation im Berufsalltag, wie zum Beispiel bei Vorsingen. Das alles kann einen jungen Musiker eigentlich nur weiterbringen. Wenn man keinen Preis gewinnt, oder nicht in die nächste Runde kommt, ist das nicht besonders gut fürs Ego und jeder, der schon einmal an einem solchen Wettbewerb teilgenommen hat, wird es mir bestätigen: Dabei sein ist nicht alles. Aber man lernt, sich einzuordnen und das ist wichtig. In jedem Beruf. Ich muss wissen, wo ich stehe, wo meine Stärken liegen, was ich nicht so gut kann. Mit dieser Information kann ich arbeiten. So weit so gut.

Ich habe also – das erste von zwei Malen übrigens vor exakt zehn Jahren – am österreichischen Jugendmusikwettbewerb Prima la Musica in der Sparte Gesang teilgenommen. Das war eine spannende Sache. Ich erinnere mich an vielleicht zehn oder fünfzehn MitstreiterInnen in meiner Altersgruppe und ich fand es immer sehr aufregend, ihre Programme durchzulesen, einige auch anzuhören und dann im Stillen zu versuchen, den Juryentscheid zu prognostizieren. So viele Gleichgesinnte kamen aus allen möglichen Städten an diesem Tag zusammen und präsentierten die Ergebnisse ihrer Arbeit. Natürlich war ich nervös – ich war fünfzehn und weit entfernt von täglicher Auftrittspraxis (wenn auch wohl trainierter als so manch einer) und ich nahm den Wettbewerb sehr ernst. Ich muss vielleicht dazusagen, dass ich zum damaligen Zeitpunkt noch überhaupt nicht an eine professionelle Karriere als Sängerin nachdachte. Ich hatte einfach unglaubliche Freude am Singen und es machte mir auch durchaus Spaß, mich mit den jungen KollegInnen zu messen. Ich glaube, am Tag des Auftrittes dachte ich gar nicht so sehr an mein Ergebnis, aber auf jeden Fall war die Freude groß, als ich ausgewählt wurde, um eine Runde weiter zum bundesweiten Wettbewerb zu gehen. Ich war voll motiviert und bereitete mich gewissenhaft und mit angefachtem Ehrgeiz vor. Ich wurde belohnt und durfte dort einen ersten Preis nach Hause tragen.

Warum ich das alles erzähle? Sicher nicht, um meine jugendlichen Heldentaten hervorzukehren. Aber ich möchte Ihnen meine Erinnerungen an diesen Wettbewerb näher bringen. Denn es gibt ihn heute immer noch. Und zwar reformiert und damit modern wie nie. Ich verfolge Prima la Musica jedes Mal anhand der neuen KandidatInnen meiner ehemaligen (prä-universitären) Gesangsklasse. So habe ich dieses Jahr das neue Regelwerk kennen gelernt. Man hat sich zusammen gesetzt und den Bewertungsprozess optimiert. Man hat den Wettbewerb einem „Makeover“ unterzogen und ihn an die pädagogische Situation des Landes angepasst. Ich möchte hier für alle Uninformierten die markanteste Änderung im neuen System kurz erläutern: Früher bereitete man ein den Vorgaben entsprechendes Programm vor, mit dem man sowohl zum Landes-, als dann auch zum Bundeswettbewerb antrat. Neu ist, dass in den Altersgruppen ab 14 Jahren zwei separate Programme für die verschiedenen Runden anzugeben sind. Das allerdings nur, wenn man bei der Anmeldung auch dezidiert angegeben hat, dass man sich überhaupt für die Weiterleitung zum Bundeswettbewerb interessiert. Trifft letzteres zu, meldet man sich nicht etwa in der Gruppe IV, sondern in der Gruppe IV Plus an. Weiters wird in den verschiedenen Gruppen auch verschieden streng bewertet. Man gibt an, Kindern aus Musikschulen mehr Chancen gegenüber jenen in Vorbereitungsstudien einräumen zu wollen. „Schülerinnen und Schüler von Musikschulen können sich mit ihresgleichen (Hervorhebung von mir – S.R.) in den Landeswettbewerben messen, sie können sich aber auch der stärkeren Konkurrenz aus den Konservatorien und Musikuniversitäten stellen“. (Quelle: Ausschreibung Prima la Musica 2016; siehe insb. S.6&7)
Ja, Sie haben richtig gelesen. Man möchte endlich den weniger begabten Kindern den großen Druck ersparen, sich mit denjenigen messen zu müssen, die einen ersten Preis mit Auszeichnung und damit den Aufstieg auf Bundesebene erzielen wollen und können. Endlich wird die selbsternannte Elite in einer eigenen Gruppe bewertet, damit auch die anderen Kinder, deren Lehrer schon im Vorhinein kein Potenzial zu hervorragender Leistung sehen, teilnehmen können, ohne durch eine zu strenge Bewertung traumatisiert zu werden. Endlich…
Halten wir einen Moment lang inne. Denken wir das einmal ganz genau durch.

Werfen sich Ihnen da nicht auch so manche Fragen auf?
Was fühlt ein Kind, das im Wettbewerb verglichen wird und zu einem schlechteren Ergebnis kommt als andere, so wie es das aus unserem heutigen nicht nur Schul-, sondern auch Berufs- und Gesellschaftssystem gewohnt ist? Wirft es denn auf der Stelle alles hin? Und was fühlt dann ein Kind, das vom eigenen Lehrer (denn mit fünfzehn macht man das in der Regel nicht selbst) von vornherein als „zur Konkurrenz in Fertigkeit und Psyche untauglich“ eingestuft wird, ohne noch vor eine Jury getreten zu sein? Ist es wirklich besser, einem Kind die Möglichkeit zu nehmen, es überhaupt zu versuchen? Ihm die Chance zu nehmen aus Angst vor dem Risiko?
Führt das ganze System nicht automatisch zu einer „Bestrafung“ der begabten JungmusikerInnen? Muss sich große Ambition oder gar Hochbegabung nun rechtfertigen, indem sie sich strengerer Prüfung aussetzen muss? Ist nicht das eine unnötige Druckausübung auf die jungen Menschen? Sind wir denn wieder zurück in der präpubertären Schulklasse, wo die gute Leistung das Feindbild war? Wo auf die Klassenbesten geschimpft wurde, aus lauter Neid, Misstrauen und unterbewusstem Unverständnis dafür, wie jemand solch kontinuierlich guten Leistungen erbringen kann? Ging es nicht ursprünglich um die Vermeidung von Neid unter den Kindern? Und, wenn ja, wird der Neid durch die Abtrennung einer „Elitegruppe“ nicht erst gesät?
Und ist dann eigentlich ein erster Preis in der „Hobbykategorie“ weniger Wert, als ein erster Preis in der Kategorie „Plus“? Muss das dann zur Differenzierung auch immer dazu gesagt werden? Denn sicher legt ein Kind mit einem zweiten Preis „Plus“ Wert darauf, dass der Klassenkollege in der „Hobbykategorie“ nur deshalb einen ersten und damit auf dem Papier besseren Preis errungen hat, weil er viel lascher beurteilt wurde, oder nicht? Wird da durchdacht mit zweierlei Maß gemessen? Wird so nicht erst recht ein ungutes Konkurrenzverhalten provoziert?
Noch etwas: Ist es denn fair, dass der Lehrer mit dem „Plus“-Kandidaten doppelt so viel Programm in seinen fünfzig Minuten Unterricht pro Kopf und Woche unterbringen muss wie der mit dem „Hobbykandidaten“? Denn welcher Lehrer, der seine Sache ernst nimmt, würde schon mit der Erarbeitung des Programms für den Bundeswettbewerb erst nach der Ergebnisverkündung beginnen?
Und da fällt mir ein: Was, wenn ein Kind in dann in der Wertung tatsächlich gut genug für den Bundeswettbewerb wäre, aber in der „falschen“ Sparte anträte?

Nun stelle ich die meiner Meinung nach wichtigste Frage: Wo liegt der Sinn eines Wettbewerbes, wenn ich mich der Konkurrenz nicht stelle? Warum überhaupt teilnehmen, wenn ich nicht auf einem Niveau unterwegs bin, das mit dem anderer in meiner Altersgruppe übereinstimmt? Ich bewerbe mich ja auch nicht für einen Job, für den ich keine Qualifikation habe. Ich trete nicht in einem Fach zur Matura an, in dem ich eigentlich nicht gut bin. Ich gehe nicht Bergsteigen, wenn ich keine Kondition habe. Und weiter: Gibt es bei Mathematik-, Chemie-, oder Spracholympiaden Kategorien für Schüler, die weniger Ambitionen haben? Nach dem Motto: „Ich esse gerne Spaghetti und singe in meiner Freizeit Playback zu Eros Ramazzotti. Ein schönes Hobby, darum habe ich mich auch für das Wahlfach Italienisch entschieden. Jetzt möchte ich unbedingt an der Olympiade teilnehmen – aber bitte vergleichen Sie mich bitte nicht mit den fließenden Italienischsprechern, denn ich lerne das ja nur hobbymäßig und spreche eigentlich nicht so gut.“
Worauf ich hinaus will: Wenn ich (absehbar) nicht so gut bin, wie andere meiner Altersgruppe, sollte ich entweder trotzdem mitmachen und dazu stehen, oder erst gar nicht antreten. Schließlich ist man zur Teilnahme nicht gezwungen. Auf jeden Fall aber sollte nicht eine eigene Kategorie erfunden werden müssen.

Ich habe übrigens noch nicht erlebt, dass die Kultursparten drei Wochen vor der nächsten Premiere Fragebögen an das Sängerensemble ausschicken, auf denen folgendes anzukreuzen ist:
„Möchten Sie gerne die Option auf unverblümte Kritik in Anspruch nehmen?
– Ja, ich möchte mich dem Risiko der Kritik stellen.
– Nein, ich verzichte auf ernsthafte Kritik, da ich keinerlei Anspruch an meine künstlerische Leistung stelle und melde mich hiermit an für ein ‚Ferner sehr nett: XY.‘“

Aber genau diese Kritikunfähigkeit züchten wir heran, indem wir unseren Kindern (und weiterführend auch uns gegenseitig) nicht mehr sagen können, dass etwas nicht so gut war. Dazu habe ich einen interessanten Artikel in der Zeit gelesen, der ein neues System zum Erlernen der Deutschen Rechtschreibung (zurecht) auseinander nimmt: http://www.zeit.de/2011/48/Martenstein. Lesen Sie den bitte, denn er spricht genau das selbe Problem an, nämlich die unnötige Schönung der Wahrheit.

Vielleicht sagen Sie an dieser Stelle: „Na, Frau Rennert, Sie haben leicht reden! Sie haben ja beim Jugendmusikwettbewerb immer nur in den oberen zwei Prozent mitgemischt!“ Stimmt aber nicht, antworte ich. Ich war tatsächlich selbst eines der Kinder, das mit einer unerreichbaren Konkurrentin in der eigenen Altersgruppe konfrontiert war: Um den Jahrtausendwechsel herum nahm ich erstmals bei Prima la Musica in der Sparte Violine teil. Insgesamt viermal trat ich an und ergeigte drei dritte und einen knappen zweiten Preis auf Landesebene. Am Anfang fand ich das ziemlich beeindruckend – ich war zehn. Mit den Jahren beobachtete ich jedoch die der meinen weit vorausgreifende Leistung einer Mitstreiterin, die bereits in jungem Alter im universitären Vorbereitungslehrgang studierte. Sie räumt alles ab und der Großteil der Übriggebliebenen verwarf für immer den Traum von einer Qualifikation zum Bundeswettbewerb. Habe ich geweint? Nein. Habe ich mich entmutigen lassen? Schon gar nicht. Habe ich verstanden, dass ich mich auf einem anderen, weniger fortgeschrittenen Level bewege, als die Kollegin? Habe ich daraufhin beschlossen, dass ich das definitiv nicht beruflich machen sollte? Ja! Und gut war es. Ich habe leidenschaftlich gerne weiter Geige gespielt (und tue es heute noch, sofern es die Zeit zulässt). Ich habe mit Hingabe Orchester- und Kammermusikerfahrung gesammelt, die mir in meinem heutigen Berufsalltag unglaublich zugute kommt. Und ich habe rechtzeitig gelernt, meine Leistung richtig einzuschätzen. Das war am Anfang sicher nicht einfach, ich würde es sogar als unschön und stellenweise frustrierend bezeichnen. Aber ich habe viel über mich selbst gelernt. Es ist, wenn Sie mich fragen, eine sehr nützliche Eigenschaft zu wissen, was man kann und was man nicht kann. Ich behaupte sogar, es ist in jeder Lebenslage essenziell.
An dieser Stelle stehle ich die wunderbare Schlussfolgerung des oben erwähnten Zeit-Artikels und zitiere frei: „Hier spricht der Kapitän. Der Flug ist nicht perfekt verlaufen. Wir stürzen leider ab. Aber wie Sie der Informationskarte in den Sitztaschen vor sich entnehmen können, bin ich diesen Flug nicht in der Gruppe der professionellen Piloten angetreten, sondern in der Hobbygruppe. Und immerhin war ich mit viel Begeisterung dabei.“

Ich möchte noch einmal auf meine Frage weiter oben zurück kommen: Wo liegt der Sinn eines Wettbewerbes, wenn ich mich der Konkurrenz nicht stelle? Warum überhaupt teilnehmen?
Jetzt begebe ich mich ganz bewusst auf dünnes Eis, denn es dämmert mir doch etwas ganz und gar Unkünstlerisches: Habe ich da etwa die Statistiker der Landesmusikschulen erwischt, wie sie versuchen, mehr Quote zu machen? Habe ich da etwa die Eltern enttarnt, die so gerne eine hübsche Urkunde zum nächsten Teekränzchen mitbringen möchten? Wer sich stärkerer Konkurrenz stellt, muss mit schlechteren Ergebnissen rechnen. Ergo: weniger Preise, die man ans schwarze Brett heften kann. Da gab es doch schon in den letzten Jahren von Prima la Musica diese Idee, einen vierten und fünften Preis einzuführen mit derselben Begründung, die Kinder nicht zu demotivieren. Doch in Wahrheit bedeuten vierte und fünfte Preise einfach eine Handvoll mehr zierleistenverschnörkelter Ergebnisse, denn wer keinen Preis machte, der musste sich davor mit einem unheroischen „teilgenommen“ begnügen. Diese Idee ist dann wohl im Sand verlaufen. Stattdessen hat man noch einen drauf gesetzt: Führt sie vor, die unseren Musikschülern ihre Preise streitig machen! Werft die eingebildeten Streber in ihren eigenen Topf! Bewertet ihnen nur so um die Ohren! Denn wer die Statistik verzieht und den Systemerhaltern ihren Motivations-Lolly verwehrt, soll schauen, wie er damit umgeht, wenn er plötzlich strenger als sie beurteilt wird! Ha!

(Stellen Sie sich hier bitte unbedingt ein tiefes, resignierendes Seufzen meinerseits vor.)

Ich wünsche den LehrerInnen und SchülerInnen, die sich von der neuen künstlerischen Rassentrennung nicht entmutigen und von dem ganz normalen Ziel eines Wettbewerbs, nämlich einen Sieger zu küren, der im besten Fall den Übrigen weit voraus ist, nicht abschrecken lassen, viel und noch mehr Erfolg mit ihrer Arbeit! Und den Kindern, die in der Hobbygruppe antreten, weil ihre Lehrer es so bestimmt haben, um sie zu schonen, sage ich: Lasst euch bloß nicht davon demotivieren, dass man euch ung’schauter für nicht gut genug einstuft, mit den „richtigen“ Musikern mitzuhalten. Ganz im Gegenteil! Nicht nach Höherem zu Streben ist die neue redliche Bescheidenheit! „Durchschnittlich“ ist das neue „erstrebenswert“! Seid mittelmäßig! Dann habt ihr es im späteren Leben unter den Erwachsenen(!), die die Ehrgeizigen misstrauisch und -günstig beäugen, viel leichter.

S.R.

5 Kommentare zu “Prima la Musica – Ein Wettstreit wird zur Durchschnittsschmiede

  1. Spricht mir aus der Seele

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Sophie!

    Danke für deine Meinung, ich teile diese in vielen Punkten, möchte jedoch noch einiges anmerken.
    Da ich selbst mit meinen Schülern bei diesem Wettbwerb teilnehme, waren meine Schüler und ich heuer selbst vor die Entscheidung gestellt, ob wir in den Plus Kategorien mitmachen wollen oder nicht. Wir haben uns dann GEMEINSAM dagegen entschieden und in der „normalen“ Kategorien (übrigens sehr erfolgreich) mitgemacht. Übrigens möchte ich mich von dem Begriff „Hobbykategorie“ disdanzieren, da diese Schüler trotz Teilnahme in der nicht Pluskategorie mit ihren Lehrern auf höchstem Niveau arbeiten und dies hier nicht geschmälert werde sollte. Ausschlaggebend für die Entscheidung in dieser Kategorie teilzunehmen war einzig und allein die Frage der Programmlänge. Wir unterrichten an Musikschulen. Musikschulen in die diese Schüler nach ihrem normalen Schulprogramm kommen. Durchaus hochbegabte SChüler, die dennoch ein ganz normales , zeitlich anspruchsvolles sonstiges Schulprogramm zu absolvieren haben. Wenn man Glück hat, wird dieser Schüler von Eltern gefördert die ihm eine Unterrichtseinheit von 50 min pro Woche ermöglichen. Der Regelfall sieht jedoch anders aus, da der Musikschulunterricht an vielen Musikschulen zum Luxusgut geworden ist und viele Eltern sich das schlichtweg nicht mehr leisten können. Es bedeutet eine sehr große Herausforderung ein topvorbereites Programm von 20min Auftrittzeit in 50min/Woche einzustudieren und wir reden hier noch gar nicht von den unzähligen Extraproben mit den Schülern und gemeinsam mit den Korreptetitoren. Man vergleiche doch einmal die Programmanforderung eines Plus Porgrammes mit der Programmlänge eines Masterabschlusses!! an einer Hochschule!!!!??

    Besonders anmerken möchte ich hier allerdings noch die Kategorien im Allgemeinen, die sich nun geändert haben.
    Bis zu diesem Jahr gab es Kategorien von I-VI, die altersgerecht gestaffelt waren. Nun sind es nur noch IV Kategorien. Nach welchen Kriterien dies entschieden wurde ist für mich sehr fragwürdig. Es ist in Frage zu stellen, ob es rein entwicklungstechnisch sinnvoll ist 14-16! Jährige und 17-19! Jährige in jeweils einer Kategorie zu bewerten? Jeder Sänger wird mir bestätigen können welche Entwicklungsunterschiede in diesen Jahren möglich sind.

    Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Wettbewerbe für die Schüler eine sehr motivierende Angelegheit sein können. Vorallem die Vorbereitungszeitfördert fördert bei vielen Schülern eine besonders positive Entwicklung.

    Liebe Grüße in die Schweiz und an Wolfgang!

    Julia

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    • Liebe Julia!

      Vielen Dank für deine Rückmeldung!

      Falls das auch anders klingt: Ich bin ganz deiner Meinung. Ein Programm von 30-40 Minuten war die Anforderung z.B. bei unseren Master-Prüfungen. Da geht sich mehr als eine ganze Dichterliebe aus. Ein halber (oder ganzer?) Liederabend. Das halte ich absolut für fragwürdig. Wie soll ein Lehrer in den üblichen 50 Minuten pro Woche dieses Programm fundiert mit seinem Schüler einstudieren? Macht man dann unbezahlte Überstunden? Müssen die Eltern Extrastunden bezahlen? Muss der Schüler seine Nachtruhe verkürzen!? Und abgesehen davon ist ein Programm von 20 Minuten schon eine anspruchsvolle Länge für eine junge Stimme. Bei einem Geiger geht das vielleicht. Ich erinnere mich, dass ich auf der Geige immer Minuten „frisieren“ musste, damit das Programm in die Vorgabe passte. Ein einzelner Satz eines romantischen Violinkonzerts hat ja unter Umständen schon eine Länge von einer Viertelstunde. Aber bei den Sängern…?

      Und Zweitens: Die Vergrößerung des Altersunterschiedes innerhalb der Gruppen ist nicht nur im Gesang ziemlich daneben, wenn ich das so undiplomatisch sagen darf. Ich kenne Fälle, in denen der Lehrer bewusst einen Schüler nicht zum Wettbewerb antreten hat lassen, da ein anderer Schüler in der selben Gruppe antrat, der schon zweieinhalb Jahre älter ist. Das ist besonders bei den Sängern einfach nicht machbar. Der jüngere Schüler hätte (natürlich!) wenig Chance gehabt gegen den älteren. Gerade in der Pubertät kann sich ein Körper und damit eine Stimme so schnell weiter entwickeln. Dann innerhalb der eigenen Klasse Schüler von 14 und knapp 17 Jahren gegeneinander antreten zu lassen, funktioniert einfach nicht auf einer fairen Ebene. Und auch bei den Instrumentalisten ist das schwierig.
      Ich war aufgrund meines Geburtsdatums selbst immer eine der Jüngsten in meiner Altersgruppe, als es noch immer je 2 Jahrgänge waren. Und selbst da gab es schon teils sehr große Unterschiede in der Entwicklung. Diese Änderung ist, wenn du mich fragst, überhaupt nicht durchdacht.

      Ich wollte diesen Punkten übrigens eigentlich auch noch eigene Absätze widmen, habe mich dann aber zugunsten einer humanen Textlänge dagegen entschieden. ;)

      Und noch ganz Wichtig: Dass ich die Gruppe „Hobbykategorie“ getauft habe, sollte keineswegs die Leistung schmälern, die in vielen Musikschulklassen erarbeitet wird. Ganz im Gegenteil, ich weiß, wie hoch das Niveau oft gerade dort ist. Ich wollte damit lediglich ins Bewusstsein rufen, dass die Ausschreibung von PLM einen klischeehaften Niveauunterschied suggeriert. Ich habe ja den Absatz zitiert, der wörtlich die Universitäts- und Konsklassen als „stärker“ bezeichnet. Das halte ich ja sowieso für nicht tragbar. Als ob eine Klasse automatisch schlechter wäre, nur weil da „Musikschule“ an der Fassade steht und vor allem umgekehrt, als ob ein Schüler automatisch besser wäre, weil er in einer Vorbereitungsklasse ist. Ich finde diese Kategorisierung von vornherein unmöglich. Deshalb ärgert mich die ganze Sache ja so. Indem ich die Nicht-Plus-Gruppe „Hobbykategorie“ nenne, will ich im Duktus der Ausschreibung bleiben und zum Nachdenken anregen. (Ein bisschen zynisch, zugegebenermaßen.) Offenbar muss PLM das „Professionelle“ und das „Dilettantische“ (in der wörtlichen Übersetzung, von mir bitte nicht abfällig gemeint!) unbedingt in Schubladen schieben… (Falls ich mich wiederhole, sorry.)

      Jedenfalls herzliche Gratulation zu deinen bzw. euren Erfolgen und toitoitoi weiterhin!

      Alles Liebe!

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      • PS: Wird eigentlich von den Leuten in der Pluskategorie (und die Schüler von Kons und Uni DÜRFEN NUR DORT antreten) automatisch erwartet, dass sie zum BW weiter kommen? Wenn ich jetzt als Konsschüler keinen ersten Preis mache, ist das dann beschämend?! Ich kann da jedenfalls nur immer wieder den Kopf schütteln…

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  3. Wolfgang

    Die Gleichmacherei hier wie dort hat leider System. Alles vorgekaut, nichts mehr selbst erarbeiten, „Arbeitsblätter“ wohin man schaut, und Prüfungsszenarien, womöglich noch mit drei Auswahlmöglichkeiten (multiple choice) an Antworten, ohne diese selbst wenigstens im Ansatz erarbeitet zu haben … das scheint die Zukunft der Bildung zumindest hier in Österreich zu sein. Da kann man selber engagiert sein wie man will, gegen dieses System ist nur schwer zu bestehen, denkt sich: W :-) lfgang

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