Willkommen!

Jemand riet mir einmal, mich als Künstlerin mit Meinungsäußerungen in der Öffentlichkeit zurückzuhalten. Wer sich zu Themen wie Gesellschaft, Politik oder Familie positioniere, laufe Gefahr, seine „Kundschaft“ zu verlieren. Ich halte das für falsch.

Kunst ohne Standpunkt ist hübsch, aber inhaltlich leer.

Also, liebe „Kundschaft“ (und ich meine den Begriff sehr liebevoll): Ich freue mich auf Ihre Reaktionen und kritischen Beiträge!

S.R.

Update Apr 16 Neue Kategorie: Rezepte. Die Kunst geht schließlich auch durch den Magen, oder so.
Update Apr 16 Neue Kategorie Satire. Ohne Humor geht sowieso nichts.
Update Jul 16 Neue Kategorie Reiseszenen. Jegliche Ähnlichkeit der Charaktere mit realen Personen ist zufällig…

Reiseszenen – #2 Lesen und lesen lassen

ALBERT, ein junger Opernsänger, derzeit im Urlaub
LUISE, seine Frau, ebenfalls junge Opernsängerin, ebenfalls derzeit im Urlaub
FRAU DOKTOR HALUCHS-BERGER, Inhaberin eines Doktortitels, Festspielbeobachterin
HERR HELMHUBER, Kommerzialrat, Kenner
FRAU HELMHUBER, seine Gattin

ALBERT sitzt in ein Buch vertieft auf einer stillen Bank am Ufer. LUISE sitzt neben ihm und blickt gedankenversunken auf den See.

HELMHUBER: (setzt sich dazu, zu ALBERT:) Was lesen Sie denn da?

ALBERT: (ohne aufzublicken) „Die Strudlhofstiege“.

HELMHUBER: Ja, das habe ich auch gelesen.

FRAU DOKTOR: (eilt dazu) Ich auch!

ALBERT lächelt höflich und liest weiter.

FRAU DOKTOR: Das ist ja ein sehr mühsames Buch.

HELMHUBER: Jaja.

FRAU DOKTOR: Der Anfang liest sich sehr mühsam.

ALBERT: Im Gegenteil! Was für eine schöne Sprache…

FRAU DOKTOR: (lächelt nervös)

ALBERT: (beginnt wieder zu lesen)

HELMHUBER: (unvermittelt) Sie sehen wahrscheinlich keine Krimiserien…?

ALBERT: Doch, doch.

HELMHUBER: Ach, dann kennen Sie bestimmt Hans Schmidt?

ALBERT: Nein…

HELMHUBER: Der spielt ja bei SoKo Nord-West. Ein Sänger. Er hat eine Gesangsausbildung.

ALBERT: Aha.

HELMHUBER: Also, schon eine klassische Ausbildung! Natürlich klassisch!

ALBERT: Achja.

HELMHUBER: Kenne Sie nicht?

ALBERT: Nein. (beginnt wieder zu lesen)

HELMHUBER: Er macht auch immer so Programme.

FRAU DOKTOR: Jaja.

HELMHUBER: So gemischte Programme. Auch mit Texten. Im Wiener Konzerthaus, im Mozart-Saal. Sagt Ihnen der etwas?

LUISE: (schüttelt unmerklich den Kopf und seufzt)

ALBERT: Selbstverständlich. Da habe ich schon gesungen.

HELMHUBER: Der Mozart-Saal? Da macht er immer diese Programme. Hans Schmidt.

ALBERT nickt schweigend und beginnt wieder zu lesen.

HELMHUBER: Und Sie kennen Ihn nicht?

ALBERT: Nein.

HELMHUBER: Haben Sie noch nie eines seiner Programme gesehen?

LUISE: Wissen Sie, wir singen ja selbst, wir gehen nicht…

HELMHUBER: (übergeht und unterbricht LUISE, zu ALBERT:) Na, das müssen Sie sehen. Ich kenne ja auch seine Mutter. Die von Hans Schmidt. Ich bin ja im letzten Konzert neben ihr gesessen. Da habe ich mit ihr geredet.

ALBERT: Achja.

HELMHUBER: Seine Mutter. Von Hans Schmidt.

ALBERT: Hm… (beginnt wieder zu lesen)

HELMHUBER: Ein sehr interessantes Programm: Lauter Lieder mit Tieren. Und Texte dazwischen. Tierlieder. Von „Alle lieben Entchen“ bis… Also dann auch Kunstlieder. Wissen Sie?

FRAU HELMHUBER: (mischt sich von weitem ins Gespräch ein) Jaja, dann hat er die „Forelle“ gesungen! (lacht)

HELMHUBER: Von Schubert!

LUISE: (seufzt)

ALBERT: Ach.

HELMHUBER: Hans Schmidt. Kennen Sie…?

ALBERT: Nein.

HELMHUBER: Ja, das macht er immer so. Gemischt mit Texten. Ich bin ja neben seiner Mutter gesessen.

ALBERT beginnt wieder zu lesen.

HELMHUBER: Wir gehen ja heute zu Obonya in die Lesung.

ALBERT: Ach. (beginnt wieder zu lesen)

HELMHUBER: Wir haben ja noch Karten bekommen.

FRAU DOKTOR: Achja? Woher haben Sie denn Karten? Das ist doch ausverkauft? (lächelt nervös)

HELMHUBER: Jaja, wir haben noch welche bekommen. (zu ALBERT:) Für Obonya, kennen Sie den?

LUISE: (seufzt)

ALBERT: Ja…

FRAU DOKTOR: Ach und Sie haben noch Karten bekommen? (lächelt nervös)

ALBERT beginnt wieder zu lesen.

HELMHUBER: Das ist ja eine Lesung heute, von Obonya. Gehen Sie auch hin?

ALBERT: Nein. (beginnt wieder zu lesen)

HELMHUBER: Man bekommt ja auch keine Karten.

FRAU DOKTOR: Ach, aber Sie haben noch welche bekommen, nicht? (lächelt nervös)

HELMHUBER: (zu ALBERT:) Ach und Hans Schmidt kennen Sie nicht?

ALBERT: Nein. (beginnt wieder zu lesen)

LUISE: (unternimmt den Versuch, sich und ALBERT aus dem Gespräch zu retten:) Wollen wir dann aufbrechen? Wir wollten doch noch…

HELMHUBER: (unterbricht LUISE kopfschüttelnd, lachend zu ALBERT:) Sie kommen einfach nicht zum lesen, gell?

Jegliche Ähnlichkeit der Charaktere mit realen Personen ist zufällig.

Reiseszenen – #1 Generation Sparschiene

LUISE, eine junge Reisende in einem schönen Sommerkleid
SCHALTERBEAMTIN der Österreichischen Bundesbahnen
SCHALTERBEAMTER der Österreichischen Bundesbahnen
FRAU SCHNITTER-MÖLL, Mittfünfzigerin aus gutbürgerlichem Kreise in einem blass-oliv-farbenen Leinenkostüm mit Perlenkette
HERR SCHNITTER, ihr Ehemann

LUISE betritt mit ihrem Handgepäckskoffer den Eingang zur ÖBB-First-Class-Lounge, weist beim SCHALTERBEAMTEN ihr digitales Ticket vor und begibt sich vor die elektronische Eingangstüre. Die Türe bleibt verschlossen.
Daneben sitzt eine SCHALTERBEAMTIN, die auf ihren Bildschirm blickt.

SCHALTERBEAMTIN: (am Telefon) …und da bin ich nicht zuständig. (legt den Hörer auf)

LUISE: (höflich) Verzeihung, würden Sie mir bitte die Türe öffnen? Weiterlesen

Wir da oben

jesuishautevolee
„Wir da oben“ müssen zusammenhalten!

„Wir da oben“, die erlauchten Künstler und Künstlerinnen, die wir die Mieten unserer schicken Lofts im Ersten Bezirk von Philosophie, Applaus und Verblendung bezahlen.
„Wir da oben“, die intellektuellen Akademiker und Akademikerinnen, die wir noch nie ein echtes Problem von echten Menschen kennen lernen mussten, da wir durch unsere Milliardengagen etwas besseres sind.
„Wir da oben“, die Weiterlesen

Für Europa! – Ein Statement

europa

Für Europa!

Unsere Generation ist in Wohlstand und Frieden geboren. Wir können uns nicht vorstellen, was es für uns bedeuten würde, diesen Wohlstand und Frieden zu verlieren. In einer Europäischen Union aufzuwachsen, die es uns ermöglicht unsere Persönlichkeiten frei von nationalen und kulturellen Grenzen zu entwickeln, ist ein Privileg, das wir schätzen, hochhalten und bewahren müssen.

Wir haben diese Errungenschaften der letzten hundert Jahre unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zu verdanken. Sie aufs Spiel zu setzten, wäre mit Konsequenzen verbunden, die für unsere Generation unvorstellbar und unabsehbar sind. Innerhalb der langen Geschichte Europas ist die europäische Staatengemeinschaft eine noch junge Pflanze, die nur durch unser gemeinsames Zutun zu einem starken Baum werden kann: Europa kann nur gemeinsam wachsen!

Dies wird den Einzelnen immer wieder vor die Herausforderung stellen, aus der egoistischen Perspektive heraus zu treten, um sich dem Gegenüber ganz vorurteilsfrei zu öffnen.
Jede Beziehung muss auch Konflikte lösen um zu wachsen. Eine Lösung kann nur im Dialog gefunden werden. Nationaler Egoismus schließt einen solchen Dialog aus.
Als Generation des neuen Jahrtausends liegt es in unserer Verantwortung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sondern in Weisheit, Liebe und Respekt füreinander zu handeln.

Europa: „Auch Dissonanzen gehören zu einem harmonischen Gebilde“

Einklang. Stellen Sie sich vor, Weiterlesen

Açorda à la Rennert – Erinnerung an eine Brotsuppe

"Açorda à la Rennert" © Rennert
Madeira: die „Blumeninsel“ genannte portugiesische Oase 700 Kilometer vor der marokkanischen Westküste, die einen Naturpark beheimatet, der fast die ganze Insel umfasst, und eine Flora, die in Schönheit und Vielfalt ihresgleichen Sucht und die wilde Küsten mit zarte Blüten vereint. Ich habe mich schon bei meinem ersten Besuch in die Insel verliebt. Dabei kenne ich immer noch nicht alle Ecken, Gott sei Dank, denn so habe ich triftige Gründe, immer wieder zurückzukommen.
Madeira heißt übersetzt schlicht „Holz“. Und von der Hauptstadt Funchal („Fenchel“) aus erreicht man schnell die schwer duftenden Eukalyptuswälder, die die Straßen auf den Berg säumen. Sobald man über den ätherischen Nebel hinausgekommen ist, erschließt sich dem staunenden Reisenden ein Meer aus gelb blühenden Sträuchern. Zwischen Kühen am Straßenrand hat man vielleicht Glück, die Frösche in ihrer Balzzeit zu erwischen und hinter einigen Büschen einen quakenden Teppich aus grünen Beinchen und schwarzen Augen zu entdecken. Ein Stückchen weiter erreicht man auch die berühmten erwanderbaren Levadas.
Bleibt man hingegen an der Küstenstraße, Weiterlesen

Auf der Durchreise: Angst nimmt uns die Fähigkeit, klar zu denken.

"Angst" (nach: "Der Schrei") © Rennert
Als ich letzte Woche von den furchtbaren Anschlägen in Brüssel las, wurde mir schon ein bisschen anders. Auch ich sollte wenige Stunden später an einem großen europäischen Flughafen ins Flugzeug steigen. Ich ging mit gemischten Gefühlen zum Gate. Ich beobachtete mich dabei, wie ich mich ab und zu misstrauisch umdrehte. Ich erwischte mich, wie ich beim Anblick eines Koffers leichte Panik bekam, weil er mir ein bisschen zu einsam in der Gegend herum stand. Ich ertappte mich schließlich sogar dabei, wie ich einen Bogen um die arabische Familie am Gate nebenan machte. So haben sich die täglichen Hasstiraden in den sozialen Medien und die Angstmacherei diverser Politfiguren schon in mein Unterbewusstsein gefressen. Das war und ist mir zutiefst peinlich. Ich habe das Bedürfnis, mich bei der Familie für meinen Anflug von Paranoia zu entschuldigen. Sicher haben sie mich gar nicht bemerkt. Oder viel schlimmer: Vielleicht sind sie an schiefe Blicke gewöhnt… Ich schämte mich jedenfalls. Sehr.

Nun ja, viele, die berufsbedingt viel unterwegs sind, haben wahrscheinlich momentan derlei Gedanken im Hinterkopf. Aber Weiterlesen

Wenn Kinder laut sind

Psst! © Rennert
Stoßzeit in der Straßenbahn. Ich steuere auf einen Platz zu, auf den auch eine andere Dame ein Auge geworfen hat. Ich habe sicher keine Lust, in diesem Tumult zu stehen. Wir schauen uns an. Der Kampf ist eröffnet. Ich gewinne. Um mich herum tummelt sich eine junge Schulklasse. Drei Mädchen mit signalfarbenen Kappen sitzen im Durchgang auf dem Boden. Es gibt Schere-Stein-Papier: Wer gewinnt, darf dem Verlierer in die Wange zwicken. Sie johlen vor Freude. Dann gibt es Pikachù-Pikachù-Schìni-Schìni-Makachù. Zumindest rufen sie das, während sie eine kompliziert aussehende Folge von Klatschmustern wiederholen. Als nächstes gibt eine ein Lied zum besten und versucht, es den anderen beizubringen. Das Lied hat Ohrwurmpotenzial. Amdam Dea, Schiggischiggi Lea, Amdam Dea… Die Mädchen singen laut und beginnen dabei zu lachen. Sie tanzen, so gut das in der vollen Straßenbahn geht, und ab und zu tritt mir eine auf den Fuß oder gegen das Bein. Sie sind so vergnügt, dass sie es nicht einmal merken. Und das macht mich so vergnügt, dass es mich nicht einmal stört. Ich muss Weiterlesen